Sie hat vor langer Zeit an verschiedenen Orten auf der Erde gleichzeitig begonnen.Beim ersten Vulkanausbruch ist durch Abschreckung von Lava ein Gesteinsglas entstanden: Obsidian. Diese natürlichen Gläser - vor allem Obsidian - machten sich unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit zunutze und fertigten daraus Pfeil- und Speerspitzen, Schmucksteine und Amulette. Über den Zeitpunkt der ersten Herstellung von Glas durch Menschenhand gibt es verschiedene Angaben. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Glas eher entdeckt als erfunden wurde; so als (ungewollter) glasiger Überzug von keramischen Gegenständen beim Brennen oder als Nebeneffekt bei der Kupferverhüttung in Form von Schlacken. Die ältesten Funde von glasigem Material stammen jedenfalls aus Ägypten und sind auf die Zeit um 5000 v. Chr. datiert.
Um 1600 v. Chr. konnte Glas als eigenständiger Werkstoff im ägyptisch-syrischen Raum zur Herstellung von Hohlgefässen verwendet werden. Tonhaltiger Sand wurde zum Kern des künftigen Gefässes geformt und mit Glas überschichtet. Entweder durch Eintauchen des Sandkerns in die Glasschmelze oder kontinuierliches Umwickeln des Kerns mit hochviskosen Glasfäden, die auch schon unterschiedliche Farbe aufweisen konnten, bildete sich das Gefäss. Nach der langsamen Kühlung in einem Fach des Ofens wurde der Sandkern entfernt und ein wertvolles Hohlgefäss war geschaffen.
Eine andere Technik der Hohlgefäss-Herstellung repräsentieren Millefiori-Gläser. Diese sind aus scheibenförmigen Abschnitten ornamental aufgebauter bunter Glasstäbe hergestellt, die entweder direkt untereinander verschmolzen oder in eine neutrale Glasmasse eingelassen werden. Schnupftabaksfläschchen werden heute noch in einigen bayerischen Glashütten meist in Freizeitarbeit auf diese Art hergestellt.
Die Expansion des Römischen Kaiserreiches gab auch der Glasherstellung wesentliche Impulse. In Vorderasien und römischen Regionen Europas wurden Glashütten gegründet, die Gegenstände produzierten, die bald zum Inventar vieler Haushalte gehörten. Der Handel mit Glas dehnte sich zu dieser Zeit schon bis Skandinavien und Zentralafrika aus.
In direkter Anlehnung an orientalische Glasherstellungs-Techniken begann ab dem 10. Jhdt. der Aufbau der berühmt gewordenen venezianischen Glasindustrie. Die in Venedig hergestellten Gläser waren von so hoher Qualität und dementsprechend begehrt und teuer, dass die Glashütten ein Abwanderungsverbot für ihre Glasmacher erliessen, das bei Zuwiderhandlung die Todesstrafe zur Folge hatte. Aus diesem Grund und aus Gründen der Feuergefahr wurden im Jahre 1291 die Glashütten von Venedig auf die Insel Murano verlegt, wo noch heute Glasprodukte, allerdings weniger anspruchsvolle Artikel als damals, erzeugt werden.
Die Blütezeit des venezianischen Glases ging zu Ende, als im 16. und 17. Jhdt. mehr und mehr Hütten entstanden, die Gläser "à la façon de Venise" herstellen konnten, vor allem die berühmten Flügelkelche.
Johann Kunckel, 1630 - 1703, setzte einen Meilenstein durch die Herausgabe seines Werkes "Ars vitraria experimentalis" 1679, einem ersten Ratgeber für Glastechniker. Er kommentierte, überprüfte und ergänzte die Bearbeitung von Gemengesätzen, wie sie 1612 von dem italienischen Priester Antonio Neri in Florenz veröffentlicht wurden. Das Werk Kunckels wurde bis ins 19. Jhdt. hinein immer wieder neu aufgelegt. Berühmter jedoch wurde Kunckel durch die Herstellung eines Rubinglases unter Verwendung von Gold. Sein Rezept dazu hat er nie preisgegeben.1683 wird Böhmisches Kristallglas in Form von Kreideglas erfunden, 1686 führt man Ätzungen mit Fluss-Säure durch und 1688 gelingt das Giess-Walzen von Spiegelglas.
1728 beobachtet Reaumur die Entglasung, 1742 schlägt der schwedische Astronom Anders Celsius eine Temperaturmessung von 100 Graden zwischen dem Kochpunkt des Wassers und dem Schmelzpunkt des Eises vor, M.W. Lomonossov macht 1748 Versuchsschmelzen in Russland und ab 1764 wird Natriumsulfat zur Glasherstellung genutzt.
Im 18. Jhdt. war das Königreich Grossbritannien führend in der Produktion optischen Glases. Seit 1806 war das europäische Festland durch die napoleonische Kontinentalsperre von der Lieferung solcher Gläser abgeschnitten.
Der Schweizer Optiker Pierre Louis Guinand (1748 - 1824) baute im Kloster Benediktbeuren eine optische Glasschmelze auf und lieferte Linsen, die eine bis dahin nicht gekannte Homogenität besassen.
Selbst Goethe bemühte sich um die wissenschaftliche Glasschmelzerei.